Infos zum Trainingsraum

Im Schulalltag kommt es immer wieder zu Störungen, Regelübertretungen und Konflikten. In manchen Situationen sind Schüler überfordert, die schulischen Regeln einzuhalten. Dies muss und kann neu erlernt werden. Allerdings würde eine sinnvolle Korrektur des Verhaltens in diesem Moment mindestens ein Einzelgespräch mit dem Lehrer erfordern. Dem steht allerdings der Anspruch aller anderen Schüler auf den Fortgang des Unterrichts entgegen.

Dieses Spannungsverhältnis möchte der Trainingsraum auflösen. Im Trainingsraum wird eine Störung gründlich bearbeitet, aber ohne den Fortgang des Unterrichts zu stören.

So ist im Idealfall allen geholfen: Die Ursachen für Störungen werden identifiziert, mit dem Schüler angemessene Alternativen erarbeitet und der Unterrichtsfortgang bleibt ungebremst. Ziel ist es, die Eigenverantwortung der Kinder für ihr eigenes Handeln und Tun zu stärken.

Die Grundregeln/ Leitformeln für das Trainingsraum-Programm lauten:

  1. Jede Schülerin und jeder Schüler hat das Recht, ungestört zu lernen
  2. Jede Lehrerin und jeder Lehrer hat die Pflicht, einen ungestörten Unterricht zu organisieren
  3. Jeder muss stets die Rechte der Anderen respektieren.

Grundlage: Die Klassenordnung

Jede Klasse benötigt eine Klassenordnung. Bei Zuwiderhandlung ist sie Ausgangspunkt zur Anwendung des Trainingsraumprogramms. Folgende Punkte wurden zusammengestellt, die ergänzt werden können:

  • Ich höre zu, wenn andere sprechen.
  • Ich melde mich und warte, bis ich aufgerufen werde.
  • Ich spreche leise und verhalte mich höflich.
  • Ich verhalte mich respektvoll gegenüber meinen Mitschülern und Lehrern.
  • Ich löse meine Konflikte ohne verbale oder körperliche Gewalt.
  • Ich gehe sorgfältig mit meinen Schulsachen um und achte das Eigentum anderer.
  • Ich befolge die Anweisungen der Lehrerinnen und Lehrer.

Der Trainingsraum und der Rückkehrplan

Je nach Situation und Schwere der Verstöße gegen die Klassenordnung wird der Schüler bei der ersten Störung mit 5 Fragen konfrontiert (hier Gradmesser: „Intensität der Störung“).

Die Fragen lauten:

  1. Was machst du gerade?
  2. Wie lautet die Regel gegen die DU verstoßen hast?
  3. Was passiert, wenn DU dich nicht an unsere Regeln hältst?
  4. Wofür entscheidest DU dich?
  5. Wenn DU wieder störst, was passiert dann?

Sollte es zu einer zweiten Störung kommen, muss sich der Schüler mit einem ausgefüllten Laufzettel im Trainingsraum melden.

Im Trainingsraum findet zunächst eine Reflexion in Stillarbeit statt und anschließend wird ein Gespräch mit dem Trainingsraumbetreuer über die Gefühle und die Motive des Störens geführt. Im Anschluss daran wird sich der Schüler in einem „Rückkehrplan“ konkrete Gedanken über die Möglichkeiten der Beendigung bzw. zukünftigen Vermeidung der Störung machen. Bei der Erstellung des Rückkehrplans hilft der Betreuer des Trainingsraums. Der Lehrer aus dem Unterricht muss den Plan akzeptieren. Erst dann kann der Schüler in den Unterricht zurück.

Im Folgenden dazu einige Beispiele:

Störung Rückkehr-Pläne
In die Klasse rufen. – Ich melde mich, wenn ich etwas zu sagen habe.

– Ich lege mir als Erinnerung einen Zettel auf den Tisch.

Handgreiflichkeiten – Ich sage in ruhigem Ton, was ich zu sagen habe.
Mit dem Nachbarn quatschen – Ich setze mich weg.

– Ich führe Privatge- spräche in der Pause od. in der Freizeit.

Beschimpfungen – Ärgert mich etwas, so sage ich es in angemessenem Ton.

– Ich hole tief Luft und versuche mich zu beruhigen.

Eigentum anderer wegnehmen oder beschädigen – Ich sorge dafür, dass ich das benötigte Material bei mir habe.

– Wenn ich etwas ausleihen möchte, frage ich vorher um Erlaubnis.

Kommt es zu einer Häufung von Besuchen im Trainingsraum, erfolgt ein Elterngespräch. Dies führt entweder die Klassenleitung oder der/die Fachlehrer(in), welche(r) das Kind am häufigsten in den Trainingsraum geschickt hat.

Ziele

  • Sicherung eines zielgerichteten und ungestörten Unterrichtes – mehr Unterricht … mehr Leistung
  • Verlagerung von Konflikten und Störungen aus dem Unterricht in einem außerunterrichtlichen Ort in der Schule mit zeitnaher Aufarbeitung
  • Besseres Sozialverhalten und besseres Klassenklima
  • Akzentuierung des gemeinsamen Erziehungsauftrages zwischen Schule und Elternhaus
  • Ergänzung der pädagogischen Maßnahmen bzw. Ordnungsmaßnahmen
  • Stärkung der Selbstwahrnehmung und Eigenverantwortung

Wir sind nicht alleine: Bundesweit wird das Trainingsraum-Modell mit großem Erfolg an vielen Schulen angewendet.

FAQs

Wer betreut den Trainingsraum?

Ausschließlich pädagogisches Personal: Lehrer und unser Jugendsozialarbeiter – Herr Siegel

Welche Schüler nehmen am Trainingsraum teil?

Alle 5. und 7. Klassen nehmen automatisch das ganze Schuljahr über am Trainingsraum teil.

Nach erfolgreichem Start wird der Trainingsraum zusätzlich für Schüler aus anderen Klassenstufen geöffnet. Bei wiederholten Störungen kann die Klassenleitung einzelne Schüler in Absprache mit den in der Klasse unterrichtenden Lehren zum Trainingsraum anmelden. Die Eltern erhalten eine Information darüber. Der Trainingsraum hat das Ziel, sich selbst überflüssig zu machen: Bei fortgesetzter Regeleinhaltung kann die Teilnahme am Trainingsraum auf Vorschlag der Klassenleitung in Absprache mit den in der Klasse unterrichtenden Lehrern beendet werden.

Ist die Teilnahme am Trainingsraum Pflicht?

Der Trainingsraum ist ein pädagogisches Hilfsangebot, welches nur auf freiwilliger Basis zum Erfolg führen kann. Alternativ zur Teilnahme am Trainingsraum werden erzieherischen Maßnahmen nach § 96 oder Ordnungsmaßnahmen nach § 97 der Schulordnung ergriffen.

Wie lange dauert der Aufenthalt im Trainingsraum?

Für die Dauer des Aufenthaltes gilt der Leitsatz: „So lange wie nötig, so kurz wie möglich.“, damit die Schülerinnen und Schüler nicht zu viel Unterrichtsstoff verpassen und durch Abstand wieder bereit zum Lernen sind.

Ansprechpartner:

Schulleitung und Herr Siegel (Jugendsozialarbeiter)